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20. November 2018

Am Sonntag dem 18. November 2018 wurde in der Gemeinde Wutha-Farnroda der Toten der Weltkriege gedacht. Am Kriegerdenkmal in Mosbach fanden sich um 10.00 Uhr der Stellvertretende Bürgermeister Jörg Schlothauer, Bürgermeister a. D. Ernst Kranz, die ehemaligen Gemeindebeigeordneten Ingo Jary und Matthias Kehr eine Abordnung Abordnung der Feuerwehr Mosbach sowie Vertreter des Heimatvereins Mosbach und der Kirchgemeinde Mosbach ein. Oberpfarrerin Gesine Staemmler und Bürgermeister Torsten Gieß sprachen Worte des Gedenkens. Der Trompeter Jens Krumrich spielte auf der Trompete "Ich bete an die Macht der Liebe" und das Lied "Ich hatt' einen Kameraden"

Rege Anteilnahme fand die auf dem Friedhof in Schönau a.d.H. um 11.00 Uhr abgehaltene Gedenkfeier. Die Abordnungen der Feuerwehr, des Schützenvereins und des Kirmesvereins  nahmen aktiv an der Gestaltung der Gedenkveranstaltung teil. Der Schönauer Männerchor unter der Leitung von Ullrich Fischer umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Neben dem Kranz der Gemeinde legten die Vereine aus Schönau a.d.H, Deubach und Kahlenberg einen gemeinsamen Kranz nieder. Worte des Gedenkens sprachen neben Pfarrerin Dorothee Köckert und Bürgermeister Torsten Gieß auch Ortsteilbürgermeister Christian Schallenberg, Ortsteilbürgermeister a. D. Volker Ortmann und die jungen Leute vom Kirmesverein.

 

 

Aus der Ansprache des Bürgermeisters:

Am vergangen Wochenende fanden in Frankreich unter Anwesenheit zahlreicher Staatsgäste die Gedenkfeiern zum Ende des 1. Weltkrieges statt. Als Geste der Versöhnung weihten auf den Lichtung von Rethondes im Wald von Compiègne folgende Gedenktafel ein:

 „Anlässlich des 100. Jahrestages des Waffenstillstands vom 11. November 1918 haben der Präsident der Französischen Republik, Emmanuel Macron, und die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, hier die Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung im Dienste Europas und des Friedens bekräftigt.“ Das Ganze auf Deutsch und Französisch.

Wie schwierig die Versöhnung auch noch 100 Jahre nach Ende des 1. und 73 ½ Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges ist, zeigt die 1921 eingelassene und 1950 erneuerte französische Inschrift gleich daneben:

"Hier unterlag am 11. November 1918 der verbrecherische Hochmut des Deutschen Reiches, besiegt von den freien Völkern, die zu unterjochen es beansprucht hatte"

Es ist eine Inschrift, die sicher die Sichtweise und die Gefühle viele Franzosen widergibt. Ähnlich war die Sichtweise der Deutschen über Frankreich nach den napoleonischen Kriegen. Es sind Worte der französichen Kriegs- und Nachkriegspropaganda. Das Erste Opfer des Krieges ist bekanntlich die Wahrheit. Kriegspropaganda und Kriegslügen gehören immer auf beiden Seiten der Front dazu. Das war im 30jährigen Krieg so, dessen Beginn sich in diesem Jahr das 400. Mal jährt. Das war auch so in allen Kriegen davor und danach. Den Eigenen sollte und soll mit solcher Propaganda eingetrichtert werden, dass die Opfer nicht umsonst waren, und das Töten und Sterben einer gerechten Sache dient und diente.

Die diversen Gründe für den Ausbruch des 1. Weltkrieges habe ich im letzten Jahr versucht, in ihrer Vielschichtigkeit darzulegen. Es kann diesbezüglich wohl keine der damaligen Regierungen der Großmächte ihre Hände in Unschuld waschen!

In einen Krieg hineinzugeraten, geht relativ schnell. Wieder zum Frieden zu finden, wenn das Blutvergießen erst einmal begonnen hat, ist schwer! Nicht selten erliegen die Mächtigen ihrer eigenen Propaganda.

Das Friedensangebot der Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Bulgarien, Türkei) vom 12. Dezember 1916, in der ein Verständigungsfrieden angeboten wurde, wurde von Alliierten, der Triple Entente, also (Frankreich, Großbritannien, Russland) am 30. Dezember 1916 ohne weitere Prüfung als vermeintlichen Kriegstaktik abgelehnt. Sie, die Alliierten der Entente  waren sich aufgrund ihrer Übermacht und des zu erwartenden Kriegseintrittes der USA sicher, den Krieg am Ende zu gewinnen.

Nach dem Eintritt der USA in den Krieg im April 1917 verkündete deren Präsident Wilson Januar 1918 die Friedensbedingungen seines Landes in 14. Punkten.

1.    Öffentliche Friedensverträge und Abschaffung der Geheimdiplomatie

2.    Vollkommene Freiheit der Seeschifffahrt auch im Kriegsfall (also auch für Waffenlieferungen)

3.     Aufhebung sämtlicher Wirtschaftsschranken

4.    Gegenseitige Kontrolle für die Beschränkung der Rüstungen auf das niedrigste, mit der Sicherheit im Innern vereinbare Maß.

5.    unparteiischer Ausgleich aller kolonialen Ansprüche,

6.    Räumung des ganzen russischen Gebietes.

7.    Räumung und Wiederherstellung Belgiens

8.    Räumung Frankreichs unter Abtretung des Reichslandes Elsass-Lothringens an Frankreich

9.    Berichtigung der Grenzen Italiens nach den genau erkennbaren Abgrenzungen der Volksangehörigkeit.

10.    Autonome Entwicklung der Völker Österreich-Ungarns,

11.    Räumung Rumäniens, Serbiens und Montenegros. Zugang zum Meer für Serbien

12.    Selbständigkeit für zum Osmanischen Reich gehörenden Völker (Griechen, Armenier, Kurden Araber etc.) Die Türkei soll nur noch das von Türken besiedelte Gebiet umfassen. Freie Durchfahrt durch die Dardanellen unter internationaler Kontrolle.

13.    Bildung ein unabhängigen polnischer Staates, der alle Gebiete umfasst, die unbestritten von polnischer Bevölkerung bewohnt sind; Zugang zum Meer für diesen Staat.

14.    Gründung eines Völkerbundes.

Erst nachdem die militärische Niederlage Deutschlands unabwendbar wurde, und täglich ein Durchbruch der Alliierten an der Westfront drohte – Die Front lag bekanntlich zu diesem Zeitpunkt noch weit im Feindesland – bat am 3. Oktober 1918 Reichkanzler Prinz Max von Baden in einer diplomatischen Note den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, alle kriegführenden Staaten zu Friedensverhandlungen einzuladen. Als Grundlage sollten Wilsons sogenannten "14 Punkte" dienen.

Nach einmonatiger Verspätung erhielt eine deutsche Delegation die Erlaubnis, nach Frankreich zu reisen. Die Delegation erreichte am 8. November 1918 die Lichtung von Rethondes.

Die ersten Gespräche fanden an diesem Tag um 10 Uhr statt.
Die Waffenstillstandbedingungen wurden von den Alliierten diktiert und den der deutschen Delegation 72 Stunden Zeit gelassen, die Bedingungen zu akzeptieren.

Das Waffenstillstandabkommen wurde am 11. November zwischen 5:12 Uhr und 5:20 Uhr französischer Zeit (d. h. 6.12 bis 6.20 Uhr deutscher Zeit) unterzeichnet. Folgende Bedingungen:

•    Rückzug aller deutschen Truppen aus sämtlichen besetzten Gebieten Belgiens, Frankreichs, Luxemburgs sowie aus dem Reichsland Elsass-Lothringen binnen 15 Tagen

•    Innerhalb der darauf folgenden 17 Tage: Besetzung der linksrheinischen Gebiete und Besetzung von rechtsrheinischen Brückenköpfen mit einem Radius von 30 km um Mainz, Koblenz und Köln durch französische Truppen

•    Innerhalb dieses Zeitraums Übergabe von 5.000 Geschützen, 25.000 Maschinengewehren, 3.000 Minenwerfern und 1.700 Flugzeugen an die Entente

•    Internierung aller modernen Kriegsschiffe (die meisten in Scapa Flow in Schottland)

•    die britische Seeblockade wurde nicht aufgehoben

•    Ablieferung von 5.000 Lokomotiven und 150.000 Eisenbahnwaggons

•    Annullierung des Friedens von Brest-Litowsk mit Sowjetrussland.

Der Französische Verhandlungsführer Marschall Foch äußerte zum geschlossenen Abkommen zutreffend, jetzt sei Deutschland „den Siegern auf Gnade und Ungnade ausgeliefert“.

Der Waffenstillstand trat am 11. November um 11 Uhr französischer Zeit in Kraft (12 Uhr deutscher Zeit) und galt zunächst für 30 Tage (ohne Nennung des konkreten Ablaufdatums), also bis zum 12. Dezember 1918. Er wurde dreimal verlängert,

•    13. Dezember 1918 in Trier: bis zum 17. Januar 1919;

•    16. Januar 1919 in Trier: bis zum 17. Februar 1919;

•    16. Februar 1919 in Trier: für einen „kurzen Zeitraum“,

jedoch ohne konkretes Ablaufdatum (mit einer Kündigungsfrist von drei Tagen durch die Alliierten).

Erst der am 28. Juni 1919 unterzeichnete und am 10. Januar 1920 in Kraft getretene Friedensvertrag von Versailles beendete formal den Kriegszustand.

Die Erdrückenden Bedingungen der diktierten Friedensbedingungen übertrafen die schlimmsten Erwartungen der Deutschen. Sie sind ja allgemein bekannt. Die Folgen spürte jeder Deutsche ganz unmittelbar, wie die Chronik des Kirchenspiels Schönau a. d. H. aus jener Zeit (vor kurzem im Amtsblatt veröffentlicht) ganz eindringlich wiedergibt. Versöhnung konnte aus diesem Friedensvertrag nicht entstehen. Selbst mit den 14 Punkten der Wilson-Note hatte dieser Vertrag auch wenig  gemein. Wut, Hass und Rachegefühle sollten aus ihm in Deutschland erwachsen.

Der 1. Weltkrieg forderte nicht nur Millionen von Toten und Verwundeten, nach dem Krieg brach auch die innere Ordnung Deutschlands zusammen. Die innere Ordnung Russlands war bereits 1917 zusammengebrochen. Bürgerkriege und kriegsähnliche Zustände sollten die unmittelbaren Nachkriegsjahre in Russland, Finnland, dem Baltikum, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, der Türkei und Irland prägen.

Kämpfe um neue Grenziehungen in der Türkei mit Griechen, Kurden und Armeniern, im Baltikum, zwischen Polen und Sowjetrussland, zwischen Polen und der Tschechoslowakei, zwischen Polen und Deutschen Freikorps in Oberschlesien, Westpreußen und der Provinz Posen oder zwischen dem neuen SHS-Staat (Jugoslawien) und deutsch-österreichischen Freikorps in Kärnten und der Steiermark.

Hunger, Not, Inflation und Bürgerkrieg sollten die Nachkriegsjahre insbesondere auch Deutschland beherrschen. Bereits nach dem 1. Weltkrieg weisen die Siegermächte Hunderttausende Deutsche aus annektierten und okkupierten Gebieten aus. Die Besatzungsmächte an Saar, Rhein und Ruhr forderten den Widerstand der deutschen Bevölkerung heraus; die französische Besatzungsmacht unterstützt ihrerseits bewaffnete Separatisten, nicht selten Kriminelle, im Rheinland. Die erpressten Reparationen kommen einer Plünderung Deutschlands gleich.

Nach einer vorübergehenden Stabilisierung des Reiches sollte mit der Weltwirtschaftskrise die Lage im Land abermals außer Kontrolle geraten.

Der sich anbahnende 2. Weltkrieg sollte noch verheerender als der Erste werden. Die Frage: Wie konnte es dazu kommen, beschäftigt uns, die Nachgeborenen bis heute. Die Frage nach Schuld und Mitschuld beherrscht nicht nur den Streit von Historikern, sondern wird immer wieder auch Gegenstand aktueller politischer Auseinandersetzungen in Deutschland. Dieser von taktischen Erwägungen geführte politische Streit spaltet unsere Gesellschaft, und steht einem gemeinsamen ehrlichen Gedenken in Deutschland eher im Wege, als es der Sache zuträglich wäre.

Ich teile die Einschätzung zahlreicher Historiker, die die Zeit in Europa zwischen 1914 und 1945 in Gänze als zweiten 30jährigen Krieg ansehen. Die Parallelen sind unverkennbar. Ein plötzliches Ereignis, da ein Fenstersturz dort ein politisch Mord, lassen die angestauten Konflikte zu einem Krieg zu einem großen Morden eskalieren. In diesen schrecklichen Kriegen des 17. und des 20. Jahrhunderts wird nicht nur die Kriegsführung mit jedem Kriegsjahr brutaler, sondern eben auch die Verrohung der Beteiligten. Die Entfesselung der niedrigen Instinkte einiger Menschen nimmt von Kriegsjahr zu Kriegsjahr zu. Die Masse der Menschen ist damit beschäftigt, sich mehr und mehr täglich um das eigene nackte Überleben kümmern zu müssen. Jahrhundertelang entwickelte Regeln der Mitmenschlichkeit verlieren damit mindestens vorübergehend ihre Bedeutung. Städte brennen, Magdeburg ist das besondere Beispiel für diese Parallele. Menschen werden auf grausamste Weise hingeschlachtet, gefoltert und vergewaltigt.

Waren es im 30jährigen Krieg des 17. Jahrhundert (und leider auch danach) die Scheiterhaufen auf denen unschuldige Menschen aufgrund religiösem Irrglauben sowohl in katholischen als auch in evangelischen Gebieten als vermeintliche Hexen verbrannt wurden, sollten, auf der Grundlage von Ersatzreligionen, auf der Grundlage ideologischer Irrglauben, in den Lagern des 30järigen Krieges des 20. Jahrhunderts, in den GULAGs und Konzentrationslagern, unschuldige Menschen als Klassen oder Rassenfeinde, als vermeintliche Volkschädlinge, Konterrevolutionäre, Kulaken (russische Großbauern), Juden oder Zigeuner ganz gleich, ob Mann, ob Greis, ob Kind beraubt und umgebracht werden.

Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurden nicht nur zig- wenn nicht gar Hunderttausende innerhalb von Sekunden getötet, verstümmelt und verstrahlt, sondern die Folgen dieses Verbrechens werden noch über Generationen an die Nachkommen weitergegeben werden.

Mit dem Beginn des Atomzeitalters bedeutet Krieg nicht nur Tod, Krankheit, Leid und Verheerung in einem begrenzten Gebiet. Spätestens seit den 1950er Jahren kann ein Weltkrieg auch die Vernichtung der gesamten Menschheit und des Leben auf der ganzen Erde bedeuten. Trotz dieser unvorstellbaren Gefahr ist der Krieg, als Mittel der Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, bis heute nicht von der Erde verbannt. An die Mär, dass Atomwaffen den Weltfrieden sichern, kann man angesichts der zahlreichen Atommächte immer weniger glauben.

Der Frieden, den wir heute in Mitteleuropa glücklicherweise haben, ist keineswegs auf Ewigkeit gesichert und selbstverständlich. Wie brüchig er ist, zeigen nicht nur die zahlreichen Kriegsschauplätze außerhalb Europas, sondern auch die schwelenden Konflikte ganz in unserer Nähe:
Bosnien ist auch hundert Jahre nach dem 1. Weltkrieg immer noch nicht befriedet. Dort schwelt gegenwärtig ein Konflikt weiter, der jederzeit wieder zu einem blutigen Ausbruch führen kann. Diesbezüglich unterschiedliche Interessen ausländischer Mächte bergen die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts. Brenzlich bleibt auch die Lage auf und um die Krim und in der Ostukraine, um nur zwei Beispiele in Europa zu nennen.

Ob militärisches Eingreifen oder Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan, in Mali und Niger, in Syrien und Irak oder am Horn von Afrika in jedem Fall das geeignete Mittel ist, Krieg von unserem Lande fernzuhalten, wird erst die Zukunft zeigen. Gleiches gilt für das Zulassen von Zuwanderung und das Gewähren von Asyl in den gegenwärtigen Größenordnungen. Selbstverständlich sollten wir auch künftig helfen, wo wir helfen können, das gebietet die Mitmenschlichkeit! Niemand kann aber dabei von uns verlangen, dass wir uns damit selbst gefährden, oder gar, dass wir uns dabei selbst aufgeben. Das ist der Zwiespalt, in dem wir uns heute befinden!

Das Prinzip politische Konflikte wenigstens innerhalb unseres Landes friedlich zu lösen, hat sich in den letzten Jahrzehnten bewährt. Politischer Gewalt, von welcher Seite auch immer, muss Staat und Gesellschaft mit aller Macht entgegentreten.
Die Folgen und Opfer vergangener Kriege mahnen zum friedlichen Ausgleich und zum Frieden nach innen wie nach außen. Krieg von unserem Lande fernzuhalten, ist jede Anstrengung, ist jede kleine Geste wert, sei es auf Regierungsebene oder hier vor Ort.

Als Mahnung für den Frieden gedenken wir deshalb, heute am Volkstrauertag, der Toten der Weltkriege.